Freude an der Vielfalt: Das Craft Beer-Fachgeschäft „Bier.“

Inhaber Bierpunkt

Bierpunkt-Inhaber Kilian Küsters vor seinem Geschäft am Kaiserplatz.

Anfang März diesen Jahres eröffnete am Kaiserplatz der Bierpunkt (auch „Bier.“ geschrieben). Inhaber Kilian Küsters hat seine Idee von einem eigenen Craft Beer-Fachgeschäft hier in Karlsruhe umgesetzt. Die Entscheidung für Karlsruhe fiel ihm nicht schwer. Nicht nur groß, sondern auch innovativ sei die Stadt. Und das junge Publikum in Karlsruhe sei bereit, für gutes Bier auch Geld in die Hand zunehmen, so Kilian im Interview.

Da kam das freie Ladenlokal am Kaiserplatz gerade recht. Eine gute Verkehrsanbindung und die günstigen Parkmöglichkeiten direkt vor dem Geschäft sprechen für sich. Und nach den diversen Bauarbeiten in der Nachbarschaft, darf man mit dem Kaiserplatz auf eine richtige schöne Ecke hoffen.

Mit seinem Craft Beer-Fachgeschäft möchte Kilian das Craft Beer-Phänomen nach Karlsruhe holen. Erste Anklänge dieses Trends sind bereits zu vernehmen, zum Beispiel in Teilen der Gastronomie (siehe weiter unten). Nun heißt es, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass es mehr gibt als „nur“ Pils und Weizen.

Craft-Beer: Ursprung liegt in den USA

Entstanden ist das Craft Beer in den USA der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die großen und bekannten „Player“ der damaligen Branchen – Budweiser (Anheuser Busch) oder auch die Miller Brewing Company – versorgten die Bevölkerung mit einem etwas langweiligen Einheitsbier. Bei den Menschen entstand der Wunsch nach mehr Geschmacksvielfalt. Als US-Präsident Jimmy Carter dann 1978 ein Gesetz verabschiedete, das hausgebrautes Bier wieder erlaubte, war dies der Startschuss für eine schnell anwachsende Home Brewing-Szene. Diese Zeit war zum einen geprägt von einer hohen Kreativität dieser neuen Hausbrauer, zum anderen entdeckte man althergebrachte Braumethoden neu. Es wurden wieder dunkle Biere, wie zum Beispiel Stouts oder auch Indian Pale Ales (IPAs) gebraut. Häufig sind dann aus diesen Hausbrauern wenig später sogenannte Micro-Brewer entstanden, also Kleinstbrauereien mit ihren jeweiligen Eigenkreationen. Gab es vor 1978 nur rund 40 Braustätten in den gesamten USA, so sind es nach der Gesetzesänderung und vierzig Jahren später über 7000 Braustätten.

Dieses Phänomen ist mit seiner Ausstrahlung so groß und interessant, dass es das Craft Beer auch nach Deutschland geschafft hat, obwohl hierzulande die Bierlandschaft seit jeher gut gepflegt wird.

Craft Beer ist Kreativ-Bier

Aber zunächst die Frage: Was genau ist Craft Beer im Unterschied zum normalen Bier aus dem Getränkemarkt? Das Hauptmerkmal von Craft Beer ist die Kreativität im Brauprozess. Deswegen spricht Kilian auch sehr gerne von „Kreativ-Bier“, anstatt von Craft Beer. Bei der Entwicklung eines neuen Crafts wird mit den Grundzutaten Hopfen, Malz und Hefe „gespielt“. In jeder Zutat sind sehr viel mehr unterschiedliche Aromen enthalten, als von vielen Menschen vermutet wird. Mit Variationen im Brauprozess werden dann diese Aromabestandteile unterschiedlich betont und ausdefiniert. So findet man im Hopfen Aromabestandteile von Zitrone, Pfeffer, Grapefruit oder auch Melone, aber zum Beispiel auch eine schwer zu beschreibende Waldnote. So können Crafts mit einer sehr frischen, fruchtigen Note entstehen, oder auch mit einer erdigen, kräftigeren Ausformung.

Es ist dieser „Blumenstrauß aus Aromatiken“, die jede Grundzutat besitzt und die spannende Möglichkeiten für unzählige Variationen bietet, so Kilian im Gespräch.

Vielfalt im Geschmack
Der Bierpunkt besticht mit seinem großen Sortiment.

Die Craft Beer-Vielfalt im Regal: Der Bierpunkt

Solch eine Geschmacksvielfalt findet sich bei den Bieren großer Brauereien nicht. Hier gab es in den letzten Jahren den Trend hin zu einer Angleichung im Geschmack der Biere. Ablesen kann man dies auch anhand der sogenannten Bittereinheit. Die Bittereinheit ist ein Messwert aus der Brauwelt, der Angaben macht über die Alpha-Säure pro Liter Sud. Aktuell nähern sich viele große Brauereien dem Wert von 33 Bittereinheiten an, da er den Geschmack vieler Konsumenten trifft. So sind diese Biere zwar alle auf hohem Qualitätsniveau gebraut, nur fehlen häufig die kreativen Ausschläge im Geschmackserlebnis.

Für Craft Beer-Brauereien spielen solche Messwerte keine Rolle. Hier wird ganz frei experimentiert, sodass auch Biere entstehen, die eben nicht jedermanns Geschmack sind.

Probieren geht über studieren

Dies stellt für Kilian gar kein Nachteil dar, sondern gehört zur Craft Beer-Entdeckungsreise einfach dazu. In seinem Bierpunkt geht es um das experimentierfreudige Ausprobieren – die Möglichkeit eines Fehlkaufs immer eingeschlossen. Doch der Craft Beer-Kenner steht mit seiner individuellen Beratung dem Kunden stets zur Seite und begleitet ihn auf der Suche nach seinen Lieblings-Crafts.

Die Entdeckungsreise beginnt
Bierregal Black Betty

Um bei der Größe des Sortiments nicht überfordert zu sein, steht die individuelle Beratung ganz im Mittelpunkt.

Die individuelle Beratung steht im Mittelpunkt. Weil Kilian fast alle Biere aus seinem Sortiment schon probiert hat, kann er schnell ein paar Empfehlungen abgeben. Der Kunde braucht nur zu sagen, ob ihm gerade nach einem leichten oder schwerem, einem fruchtigen oder erdigem Bier ist. Oder es soll das passende Bier zu einem bestimmten Gericht sein. Auch hier kann Kilian das genau passende Craft auswählen. Denn er ist nicht nur Craft Beer-Kenner aus Leidenschaft, sondern auch IHK-geprüfter Bierbotschafter. Nach einer entsprechenden Fortbildung und einer erfolgreich abgelegten Prüfung, hatte Kilian diesen Titel erworben. Damit kann er – ähnlich wie ein Sommelier bei Wein – dem Kunden Auskunft darüber geben, welches Bier gut zu einem bestimmten Gericht passt.

Drei Situationen – drei Craft Beer-Empfehlungen

Wir von Bierkultur-in-Karlsruhe, haben dies kurzerhand zum Anlass genommen und Kilian nach seinen Craft Beer-Tipps für den Grillabend, den Baggerseebesuch und die Pizza gefragt. Sofort sprudelteten die Ideen heraus – hier sind seine Empfehlungen:

Der Grillabend: Es sollte ein Craft mit einem leichten Rauchmalz-Anteil sein, passend zu Grillgerichten. Hier fällt die Wahl zum Beispiel auf das Mahoni Marina von Hanscraft. Oder ebenfalls passend: Das eher fruchtige Pale Ale aus der Brauerei Camba Bavaria.

Grillabendbier

Das Mahoni Marina von Hanscraft und rechts das Pale Ale von Camba Bavaria.

Der Baggerseebesuch: Ein heißer Sommertag am Baggersee – das schreit förmlich nach etwas Leichtem! Wie wäre es mit einem kaltgehopften Lager aus dem Hause Kehrwieder? Mit ihrem Prototyp liefern die Hamburger das passende Craft für den Baggerseebesuch. Ein leichtes Ale passt aber ebenso gut. Hier empfiehlt sich zum Beispiel das Sunshine Ale von der australischen Brauerei Prancing Pony.

Baggerseebier

Das Sunshine Ale von Prancing Pony und rechts das Prototyp von Kehrwieder.

Zu Pizza: „Pizza ist schwierig – wegen der Tomatensoße. Sie hat zum einen Säure, aber auch ein gewisse Süße.“ entgegnet Kilian bei der Frage nach dem passenden Bier für dieses italienische Gericht. Doch auch hier gibt es eine Lösung: Weizenbier. Entweder ein klassisch deutsches Hefeweizen oder ein Ableger aus den USA. Die amerikanischen Hefeweizen sind häufig etwas zitroniger im Geschmack und damit frischer und leichter. Das passt dann wunderbar zur Tomate.

Pizzabier

Das Bayrisch Nizza von Hanscraft. Rechts: Die etwas zitronige Antwort aus den USA: Das Hefe von den Widmer Brothers aus Portland.

Offen für Überraschungen

Manche Kunden lassen sich auch gerne überraschen und bitten einfach um zwei oder drei unterschiedliche Craft-Biere. Diese wählt Kilian dann kurzerhand aus und beim nächsten Besuch im Bierpunkt kommt es dann zu einer Auswertung, welche die weitere Auswahl beeinflusst – die Craft Beer-Reise hat begonnen.

Crafts aus aller Welt

Diese Entdeckungsreise bietet bei einem aktuellen Sortiment von ca. 360 Sorten so einige Anknüpfungspunkte. Craft-Biere aus 15 Ländern und rund 70 Brauereien stehen derzeit in den Bierpunkt-Regalen. Schwerpunkte bilden zur Zeit noch die Kreationen aus den USA und Deutschland. Weitere Herkunftsländer sind über den ganzen Globus verstreut: Von Dänemark über Australien bis Japan – die Crafts werden aus aller Welt nach Karlsruhe geliefert. Aktuell geht Kilians Blick Richtung Skandinavien und das Baltikum – dort gibt es ebenfalls eine spannende Craft Beer-Szene, die es noch zu entdecken gilt.

Craft Beer in unserer Region

Und wie sieht es hierzulande aus? Im Großraum Karlsruhe gibt es noch viel Luft nach oben, so Kilian. Insgesamt gibt sich Region noch recht zurückhaltend, was das Brauen von Craft Beer angeht. Bewegt man sich jedoch Richtung Süden, so findet man in der Region Freiburg eine interessante Craft Beer-Szene vor, zum Beispiel mit den Brauereien Braukollektiv, SchwarzwaldGold, Emma oder auch Die Brauhandwerker.

Doch die Region Karlsruhe ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Craft Beer-Brauereien geht: Die Neureuter Braumanufaktur und die Braxar Brauerei aus Bruchsal leisten hier vor Ort erste Pionierarbeiten.

Erster Kassenschlager

Aus der eben schon genannten Freiburger Brauerei Braukollektiv kommt auch der erste kleine Publikums-Liebling: Das IPA mit dem putzigem Namen das Klon-Schafs Dolly wird von Bierpunkt-Kunden gerne nachgefragt. Ansonsten gibt es fast so viele Publikums-Lieblinge, wie es unterschiedliche Geschmäcker gibt.

Das Craft Beer in der Gastronomie
Bierregal Störtebeker

Eine Idee für die Gastronomie: Zu jedem Gericht das passende Craft Beer

Es wäre zu begrüßen, wenn das Craft Beer auch stärker in der Gastronomie Einzug halten würde, so zumindest der Wunsch Kilians. Viele Gastronomen haben das Thema Craft Beer noch nicht auf ihrem Radar. Dies verwundert, denn warum nicht das genau passende Bier zu einem Gericht anbieten, wenn dies bei Wein schon längst etabliert ist? Auch in Cocktail-Bars sieht Kilian ein Ungleichgewicht im Anspruch mancher Bar-Besitzer: Es werden hervorragende Cocktails angeboten, doch wenn der Gast am Ende des Abends Lust auf ein Bier verspürt, dann wird häufig auf Standardbiere zurückgegriffen. Warum nicht auch hier ein erstklassiges Craft hinter der Theke vorrätig haben?

Spargel und Schweinebauch

Hier sind noch Defizite in der Gastronomie zu erkennen, doch erste Schritte sind schon unternommen. So konnte Kilian bereits dem Karlsruher Burgerbräter DeliBurgers beratend zur Seite stehen. In einer Kooperation sucht Kilian für DeliBurgers das passende Craft Beer zu dem Burger des Monats aus. Einer der letzten Monats-Burger enthielt Spargel – zunächst gar nicht so leicht, doch auch hierfür konnte das passende Craft gefunden werden: Das Bayrisch Nizza von Hanscraft. Dieses Wheat Pale Ale ist ein leichtes Bier mit wenigen Bitterstoffen. Diese Eigenschaft braucht es auch, denn Spargel enthält bereits sehr viele Bitterstoffe.

Eine andere Anfrage aus der Karlsruher Gastronomie drehte sich um ein Gericht mit dry-aged Schweinebauch. Hier fiel es dem Bierbotschafter nicht schwer, eine Antwort zu finden: Das Simco3 aus der Augsburger Brauerei Riegele – angesiedelt zwischen einem Pale Ale und einem Indian Pale Ale. Denn die tropisch-fruchtigen Komponenten dieses Crafts, die leicht Richtung Maracuja und Papaya gehen, bilden ein wunderbares Gegengewicht zu dem schweren, erdigen Schweinebauch.

Spannende Trends in der Szene

Wir haben Kilian auch nach einer aktuellen Entwicklung in der Kreativ-Bier-Szene gefragt, die er persönlich besonders spannend findet. Da konnte er gleich von zwei Trends berichten, die ihn gerade begeistern.

Aktuelle Bierphänomene

Das Sander Limited von Sander und rechts das Sauerbier Badisch Gose von Welde.

Zum einen kommen gerade tolle, fassgelagerte Crafts auf den Markt. Dazu werden in der Regel kräftige, schwere Biere genommen und in ausrangierten Rotwein- oder Whiskey-Fässern zwischengelagert. Durch diese Lagerung nehmen die Biere die Aromatik des Fasses an, sodass man wahlweise eine Whiskey-Note im Craft Beer wiederfindet oder Anklänge eines Rotweins. Als Beispiel für diese Entwicklung wäre das Sander Limited aus Worms zu nennen – ein Imperial Porter, das bei der Brauerei Sander in alten Rotweinfässern gelagert wurde.

Das zweite Phänomen betrifft die sogenannten Sauerbiere, die eine Vergärung mittels Milchsäure oder durch eine Spontan-Vergärung vollführt haben. Da fällt Kilian sofort das Badisch Gose aus der Heidelberger Brauerei Welde ein – ein bisschen säuerlich, zitronig, mit Anklängen von Salz und Koriander. Ein wirklich grandioses Bier, befindet Kilian begeistert.

Mit ruhiger Hand

Trotz seiner aufflammenden Begeisterung für seine persönlichen Craft Beer-Entdeckungen, behält Kilian in seinem Bierpunkt immer eine ruhige Hand. Sein sicheres Handling mit den Craft Beer-Flaschen am Bier-Regal führte dazu, dass noch keine einzige Flasche zu Bruch gegangen ist – klopf auf’s Holz!

Wir wünschen Kilian Küsters weiterhin viel Erfolg in seinem Bierpunkt am Kaiserplatz und eine weiterhin scherbenfreie Bilanz!

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die folgenden Seiten unsere Webseite Informationen über alkoholische Getränke enthalten. Wir bitten Sie daher zu bestätigen, dass Sie über 16 Jahre alt sind. Weitere Informationen

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